Pubertät bei Hunden

das erwartet dich in dieser Lebensphase

Die Pubertät der Hunde ist für viele Hundehalter ein rotes Tuch, weil es aufgrund der hormonellen Veränderungen zu verschiedenen Problemen kommen kann. Dass der Hund vorübergehend nicht mehr richtig hört, ist zwar das bekannteste, aber leider nicht das einzige Verhaltensphänomen.
Doch was kannst du tun, damit die Pubertät deines Hundes möglichst sorgenfrei verläuft?

Junger Hund

Inhalt - Alles im Überblick

Hund Pubertät – was verursacht sie und wann tritt sie auf?

Die pubertäre Entwicklungsphase setzt ab dem siebten Lebensmonat ein. Kleine Hunderassen erreichen diesen Lebensabschnitt relativ früh, große Hunde vergleichsweise spät. Bei mangelernährten Hunden zögert sich der Beginn dieser Entwicklungsstufe ebenfalls hinaus.
Die Pubertät ist die Zeit der Geschlechtsreife, des Wachstums und der Veränderung. Der Umbruch ergibt sich aus hormonellen und neuronalen Veränderungen in den Organen und besonders im Gehirn:
Gonadotropin Releasing Hormon: Das GnRH kurbelt die Ausschüttung der Geschlechtshormone an.
Amygdala: Die Amygdala prägt die emotionalen Reaktionsmuster des Hundes. Da sie sich während der Pubertät vergrößert, fallen die Reaktionen des Hundes intensiver (ängstlicher, aggressiver und unvorhersehbarer) aus.
Großhirnrinde: Die Großhirnrinde sortiert während der Pubertät des Hundes die irrelevanten Verknüpfungen aus. Nur solche Handlungen, die häufig wiederholt werden, bleiben als neuronale Erinnerung fortbestehen. Es ist also möglich, dass der Hund in bestimmten Situationen auf unangemessene Weise reagiert. Einige Hunde entwickeln in dieser Zeit ein Impulsivitätsproblem.
Dopamin: Der Hund reagiert während der pubertären Entwicklung extrem auf den Botenstoff Dopamin. Dopamin ist ein Glückshormon und entfaltet einen selbstbelohnenden Effekt. Deshalb übt der Hund mit Vorliebe solche Tätigkeiten aus, die ihn mit einem Glücksgefühl belohnen (wie beispielsweise die Jagd).
Testosteron: Testosteron ist ein Sexualhormon, das unter anderem für die Stimmungsschwankungen der männlichen Hunde mitverantwortlich ist.
Cortisol: Cortisol ist ein Stresshormon, das der Hund in der Nebennierenrinde produziert. Während der Pubertät steigt der Cortisolspiegel an. Dadurch ist der Hund schnell frustriert und anfälliger für Stress.

Junger Hund spielt

Flegelphase Hund – diese Anzeichen weisen darauf hin

Obwohl der pubertäre Entwicklungsverlauf höchst individuell verläuft, gibt es in den körperlichen Anzeichen einige Überschneidungen:

  • Viele Hunde sind gereizt oder leiden unter einem Stimmungstief.
  • Die Hunde legen ihr welpenhaftes Verhalten ab und wirken nun erwachsener.
  • Pubertäre Hunde möchten frei und eigenständig sein.
  • Der Fähigkeitserwerb oder das Abspulen bereits erlernter Dinge klappt phasenweise nicht so gut.
  • Die Jagdinstinkte werden in der Pubertät zu einem wachsenden Problem.
  • Die Hunde sind mutiger und gefährden sich dadurch manchmal selbst.
  • Die Pubertät ist eine Zeit voll Wankelmut.
  • Hunde testen in der Pubertät neue Dinge aus.
  • Junge Hunde sind von den körpereigenen Entwicklungen oft sehr gestresst.
  • Die Hunde entwickeln eine eigene Sexualität.
  • Das Spielverhalten wird ruppiger.
  • Rassespezifische Verhaltensmuster etablieren sich.

Pubertät Hund Phasen – wie läuft die Pubertät ab?

Die Entwicklung des Hundes ist in vier Phasen unterteilt:
Die Welpenzeit: Die Welpenzeit beschreibt das Alter zwischen Geburt und dem Eintritt in die Pubertät. Die Welpen erwerben motorische Fähigkeiten und bauen soziale Kompetenzen auf.
Die Pubertät: Während der Pubertät erleben die Hunde einen Entwicklungsschub. Sie verspüren ein sexuelles Interesse am anderen Geschlecht, hinterfragen die soziale Rollenverteilung und lehnen sich gegen die Erziehungsversuche ihrer Hundehalter auf.
Die Adoleszenz: Die Adoleszenz ist das Übergangsstadium zwischen dem pubertärem Junghund und seiner voll entwickelten Erwachsenenversion. Der komplette emotionale und körperliche Reifeprozess kann einige Jahre (Richtwert: kleine Hunde 2 Jahre/große Hunde 4 Jahre) in Anspruch nehmen.
Das Erwachsenenalter: Der Hund ist nun ausgewachsen und durchlebt keine wesentlichen Entwicklungsschübe mehr.

Hund Jagt

Hunde Pubertät – das kannst du tun

Während der Pubertät müssen sich deine Ansprüche an den verändertem Leistungsvermögen deines Hundes orientieren. Es kann also sein, dass du deine Gewohnheiten an geeigneter Stelle aufbrechen musst:

  • Halte an bestehenden Regeln fest und fordere die Beachtung deiner Grenzen immer wieder ein.
  • Schaffe einen gesicherten Rahmen, innerhalb dessen sich der Hund ausprobieren kann.
  • Nutze die Pubertät, um deine Führungsfähigkeiten auszubauen.
  • Erkundige dich nach einer Möglichkeit, damit ein kontrolliertes Aufeinandertreffen mit anderen Artgenossen stattfinden kann (Beispiel: Hundetreff oder verträgliche Hunde aus dem Freundes- und Bekanntenkreis).
  • Frische die Grundkommandos und den Rückruf immer wieder auf.
  • Übernimm Verantwortung und schütze deinen Hund vor möglichen Gefahren.
  • Indem du deinen Hund an der Leine lässt, schränkst du das Risiko einer ungeplanten Trächtigkeit oder einer traumatischen Hundeerfahrung ein.
  • Investiere Zeit für eure Zweisamkeit, beispielsweise in dem du mit deinem Hund kuschelst oder gemeinsam mit ihm etwas spielst.
  • Führe im Bedarfsfall Trainingseinheiten zur Impulskontrolle ein.
  • Nimm die Unsicherheiten deines Hundes ernst und arbeite schrittweise daran, die problematischen Reize zu generalisieren.
  • Mit festen Ruhezeiten und Entspannungsübungen kannst du die Gemütslage deines Hundes stabilisieren.

Selbst wenn du all diese Punkte gewissenhaft in euren Alltag integrieren willst, wirst du vermutlich hin und wieder an deine persönliche Grenze kommen. Erinnere dich daran, dass die Pubertät nur eine Phase ist und dass sich ein junger Hund einfach noch nicht wie ein erwachsenes Tier benehmen kann.

Pubertät bei Hunden – das solltest du beachten

Neben den Dingen, die du aktiv zur Erleichterung der Situation beitragen kannst, gibt es auch Dinge, von denen du dich am besten distanzierst:

  1. Überfordere deinen Hund nicht und setze ihn keinen unnötigen Veränderungen aus. Versuche ihn lieber mit einer festen Tagesstruktur und klaren Verhaltensregeln in seiner aufkommenden Unsicherheit zu stabilisieren.
  2. Warte mit der Kastration, bis der Hund ausgewachsen ist. Denn einige Verhaltensweisen, die dir während der Pubertät Kummer bereiten, flauen auf natürliche Weise ab, sobald sich das hormonelle Chaos legt. Die Kastration greift erheblich in den hormonellen Funktionskreislauf des Hundes ein. Schlimmstenfalls bleibt dieser durch den chirurgischen Eingriff auf seiner derzeitigen Entwicklungsstufe stehen. Es ist also eher zu empfehlen, die Pubertät verstreichen zu lassen, bevor sich der Hund erneut mit körperlichen Veränderungen auseinandersetzen muss.
  3. Die Pubertät ist eine herausfordernde Zeit. Trotzdem sollte der Hund nichts von deinem Frust zu spüren bekommen. Schließlich läuft ein Großteil des Störverhaltens hormongesteuert ab, sodass er den Ausgang der Situation, auch wenn er wollte, nicht besser kontrollieren kann. Die negativen Emotionen tragen also nicht zu einer Verbesserung der Ausgangslage bei, sondern sorgen dafür, dass sich die Probleme intensivieren.
Hunde kämpfen

Rüde Pubertät – gegen Weibchen – das sind die Unterschiede

Die Pubertät ist die Zeit, in der die Hunde zwar noch nicht erwachsen, aber trotzdem schon in einem fortpflanzungsfähigen Alter sind.

Bei den weiblichen und den männlichen Hunden sieht die Geschlechtsreife etwas unterschiedlich aus:

Hündinnen: Die Läufigkeit der Hündin ist ein sicheres Indiz dafür, dass die Pubertät bereits im vollen Gange ist. Die erste Läufigkeit tritt – in Abhängigkeit zur Größe des Hundes – spätestens im 15. Lebensmonat ein und wiederholt sich ein bis zweimal im Jahr. Dass der Proöstrus, also die erste Läufigkeitsphase, begonnen hat, ist an einer leichten Schwellung der weiblichen Geschlechtsorgane zu erkennen. Vielleicht stellst du auch fest, dass deine Hündin häufig uriniert. Mit dieser Duftspur lockt sie potenzielle Geschlechtspartner an, die sich zunehmend für die läufige Hündin interessieren. Doch erst mit Erreichen der zweiten Läufigkeitsphase (sogenanntes Brunststadium), befindet sich die Hündin in einem Zustand, in dem sie die Paarung duldet und trächtig werden kann. Diese Phase erkennst du vor allem daran, dass sie frisches Blut verliert.
Rüden: Bei den Rüden stellt sich die Pubertät ebenfalls im Rahmen einer hormonellen Umgestaltung ein. Ihr Körper produziert das Sexualhormon Testosteron ist erhöhter Konzentration. Folge dieses hohen Testosteronspiegels können aggressive und sexualisierte Verhaltensweisen sein. Außerdem pinkeln die jungen Rüden nun nicht mehr im Hocken, sondern heben dabei ein Hinterbein. Während der Pubertät sind die Junghunde sehr fruchtbar, weshalb das Paarungsverhalten in dieser Zeit an Relevanz gewinnt.

Hund in der Pubertät – wie verträgt sich das mit anderen Hunden?

Die Pubertät ist ein Reifeprozess, der unter anderem Auswirkungen auf den Hormonhaushalt des Hundes und damit auch auf dessen Umgangsformen hat.

Kam der Hund bislang noch mit allen Artgenossen aus, bindet sich die Verträglichkeit nun an das gegenüberliegende Geschlecht.

Zwischen gleichgeschlechtlichen Tieren kann es zu konkurrenzbedingten Auseinandersetzungen kommen, während das Aufeinandertreffen von gegengeschlechtlichen Hunden (Männchen und Weibchen) weiterhin harmonisiert.

Allerdings ist das Spielverhalten junger Hunde – unabhängig der Geschlechtsverteilung – im voranschreitenden Alter ohnehin etwas ruppiger. Die Hunde können untereinander sehr aufdringlich und grenzmissachtend sein, was dazu führt, dass sich die Stimmung emotional aufladen und sogar eskalieren kann.

Wütender Hund

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