Ăœber die Herkunft des Australian Shepherd gibt es viele Theorien. Eines ist sicher: Er kommt nicht aus Australien, sondern ist ein waschechter Amerikaner. Und so lässt sich auch am einfachsten seine Geschichte erklären. Vermutlich haben die Australian Shepherds verschiedene HĂ¼tehunde aus Europa unter ihren Vorfahren, die mit den Siedlern im 18. und 19. Jahrhundert ins Land kamen. Eine Theorie besagt, dass vor allem die Hunde der spanischen Basken waren, die um 1840 beim groĂŸen Goldrausch in Kalifornien in den Westen zogen, den Australian Shepherd beeinflussten.
Weitere Vorfahren sind vermutlich die Englischen und Schottischen HĂ¼tehunde, Dorset Blue Shags, Collies und andere HĂ¼tehunde britischer Abstammung, Altdeutsche Tiger und Bouvier des Flandres. Die Siedler legten wenig wert auf das Ă„uĂŸere. Ihnen war wichtig, dass die Hunde gute Wach- und HĂ¼tehunde waren. Bereits ehe mit der gezielten Zucht des Australian Shepherd begonnen wurde, gab es Hunde, die als Australische HĂ¼tehunde bezeichnet wurden. Das ging aber vor allem darauf zurĂ¼ck, dass diese Hunde Merino-Schafe, die in den USA auch als “Australian Sheep” bezeichnet wurden, hĂ¼teten. Andere Hunde, die im Westen der USA als HĂ¼tehunde eingesetzt wurden, trugen die Bezeichnung “kleine blaue stummelrutige Hunde” oder “kleine blaue Hunde”, was das Aussehen der Tiere gut beschrieb.
“Ghost-eyed Dogs” wurden sie aufgrund ihrer blauen Augen genannt. Diese Tiere mussten nicht nur die Farmen bewachen, sondern auch alle Tiere, die dort lebten, hĂ¼ten. Das konnten neben Schafen alles Mögliche sein, angefangen von Enten und Gänsen bis hin zu Pferden und den Rinderherden, fĂ¼r die der Westen Amerikas berĂ¼hmt war und ist.
In der Mitte des 20. Jahrhunderts machte sich vor allem ein Farmer in Colorado daran, die Hunde gezielt zu zĂ¼chten. Auch bei ihm stand zunächst weniger das Aussehen als vielmehr die Fähigkeiten als HĂ¼tehund im Vordergrund. 1957 wurde der Australian Shepherd Club of America gegrĂ¼ndet und es wurde damit begonnen, ZuchtbĂ¼cher zu fĂ¼hren. Doch ein einheitlicher Standard wurde erst im Jahr 1977 aufgestellt.
Ob die Anerkennung als Rasse beim amerikanischen Dachverband beantragt werden sollte, war lange ein Diskussionsthema unter den ZĂ¼chtern. Einige von ihnen vertraten die Meinung, dass der Australian Shepherd ein Arbeitshund war und bleiben sollte. Er sollte nicht zu einem Ausstellungsobjekt werden. Einige ZĂ¼chter grĂ¼ndeten deshalb die United States Australian Shepherd Association, die sich weiter um die Anerkennung bemĂ¼hte. 1993 wurde die Rasse schlieĂŸlich in Amerika anerkannt. 1996 erfolgte die Anerkennung der internationalen Vereinigung FCI. Nach Deutschland kamen die ersten Australian Shepherds vor allem durch die zunehmende Begeisterung fĂ¼r das Westernreiten. Die klugen Hunde waren dabei oft die Begleiter der Pferde.
Der Australian Shepherd besitzt alle Eigenschaften, die ein Wach- und HĂ¼tehund braucht. Er ist ausdauernd und intelligent, lernt schnell und hat einen groĂŸen “will to please”. Das heiĂŸt aber nicht automatisch, dass er leicht zu erziehen ist, wie oft gesagt und geschrieben wird. Denn Australian Shepherds sind es gewohnt, selbstständig zu denken und zu handeln. Er arbeitet gerne mit seinem Menschen zusammen, doch er möchte verstehen, warum er etwas tun soll und ist keiner, der blind Kommandos empfängt und ausfĂ¼hrt. Zudem hat der Australian Shepherd einen ausgeprägten Wach- und Schutztrieb und es kann durchaus vorkommen, dass er seine Menschen oder andere Tiere, die im Haushalt leben “Ă¼berbehĂ¼tet” und niemanden mehr an sie heran lässt. GegenĂ¼ber Besuchern, die ihm fremd sind, wird er zunächst misstrauisch sein. Doch wenn sein Mensch ihm vermittelt, dass alles in Ordnung ist, wird er rasch auftauen und seine gutmĂ¼tige, ausgeglichene Art zeigen.
In Anzeigen wird der Australian Shepherd als idealer Familienhund beschrieben. Doch das ist er nur, wenn alle anderen Bedingungen auch stimmen. Neben viel Bewegung benötigt der intelligente Hund auch Aufgaben, die ihn mental fördern. Ein Australian Shepherd wird sich auch nicht in einer Wohnung in der Stadt wohlfĂ¼hlen. Ein Haus mit Garten oder gar ein Reitstall oder ein Bauernhof, bei dem er Ă¼ber eine Hundeklappe selbst entscheiden kann, ob er nach drauĂŸen geht oder lieber im Haus bleibt, wären ideal fĂ¼r ihn.
Der hĂ¼bsche Australian Shepherd wird immer beliebter. Bei ZĂ¼chtern werden die Nachfragen immer häufiger und die Wartelisten immer länger. Der illegale Welpenhandel der Vermehrer gedeiht auch hier mehr und mehr. Doch hier kann man nicht mehr von Billigwelpen aus dem Ausland sprechen, denn die Welpen werden zu Wucherpreisen von 2.000,00 Euro und mehr angeboten. Dabei haben die jungen Hunde oft noch nicht einmal Papiere und wurden genauso zu frĂ¼h von ihrer Mutter getrennt und sind häufig schon genauso krank wie die Welpen anderer Rassen, die im Internet zu einem Spottpreis angeboten werden. Wenn Du einen Australian Shepherd aufnehmen möchtest, solltest du dich also zuerst nach einem seriösen ZĂ¼chter umsehen. NatĂ¼rlich kann es sein, dass du auf deinen Welpen warten musst, aber es lohnt sich. Ein seriöser ZĂ¼chter wird es dir möglich machen, die Mutter und die Geschwister deines neuen vierbeinigen Freundes kennenzulernen. Darauf solltest du bestehen, um dir ein Bild davon zu machen, wie die Kleinen aufwachsen und ob sie gut sozialisiert werden. Ein ZĂ¼chter, dem seine Hunde wirklich am Herzen liegen, wird dich sowieso zuerst kennenlernen wollen, damit er weiĂŸ, dass seine Tiere in gute Hände kommen. Er wird auch immer fĂ¼r Fragen offen sein. Ein seriöser Preis fĂ¼r einen Australian Shepherd liegt zwischen 1.000,00 Euro und 1.500,00 Euro.
Alternativ zu einem ZĂ¼chter kannst du dich bei Tierheimen und Tierschutzorganisationen umsehen. Leider schĂ¼tzt ein Stammbaum nicht vor dem Tierheim und leider kommt es immer wieder vor, dass sich Menschen einen Australian Shepherd anschaffen, ohne sich vorher genau zu informieren. Schnell sind sie dann Ă¼berfordert und sie mĂ¼ssen den Hund abgeben, ohne dass er etwas falsch gemacht hat.
Der Australian Shepherd zählt mit seiner Widerristhöhe von 51 bis 58 Zentimetern bei RĂ¼den und 46 bis 53 Zentimetern bei HĂ¼ndinnen zu den mittelgroĂŸen Hunden. Mit einem Gewicht von maximal 22 Kilogramm ist er dabei vergleichsweise leicht. Dennoch hat er einen sehr robusten und muskulösen Körperbau. Die Rute ist bei manchen Australian Shepherd nur ein angeborener Stummel. Das ist erblich bedingt und in Deutschland recht selten. Kupierte Ruten sind in Deutschland verboten. Das Fell hat eine mittlere Länge und ist gerade oder leicht gewellt. Australian Shepherds gibt es in den Grundfarben schwarz, rot, blue-merle, einem marmorierten Schwarz auf grauem Grund und rot-merle, ein rot oder rotbraun marmoriertes Fell. Die Hunde können weiĂŸe Abzeichen haben oder eine Kombination der Farbvarianten aufweisen. Eine Besonderheit sind die Augen, die oftmals blau sind.
Australian Shepherds sind nicht so leicht zu erziehen, wie es oft beschrieben wird. Sie sind klug und lernen schnell, doch sie machen nur das, was sie auch wirklich verstehen und einsehen. Die Erziehung muss konsequent sein und du darfst dich auf keinen Fall von sĂ¼ĂŸen Welpenaugen einwickeln lassen. Der Australian Shepherd wird deine Schwäche sofort bemerken und sie ausnutzen. Du wirst fĂ¼r die Erziehung viel Liebe, Geduld und FingerspitzengefĂ¼hl benötigen, denn Australian Shepherd sind sehr sensibel. Wenn du versuchst, ihn mit Härte zu erziehen, wird er mit Aggressivität reagieren. Der beste Weg ist immer, mit ihm eine Hundeschule zu besuchen. Dort kannst du mit Profis lernen und dein Hund lernt andere Hunde kennen.
Bei der Erziehung eines Australian Shepherd ist es, so paradox es bei dem aktiven Hund vielleicht klingen mag, auch wichtig, dass er als Welpe lernt, Ruhepausen einzulegen. Er wird sonst später Schwierigkeiten haben, zur Ruhe zu kommen.
Der Aktivitätslevel des Australian Shepherds ist sehr hoch. Er benötigt nicht nur körperliche Auslastung, sondern auch geistige. Nur Bälle holen oder gemeinsam joggen wird ihm nicht reichen. Ideal ist es natĂ¼rlich, wenn du mit ihm zum Hundesport oder zum Rettungshunde-Training gehst. Er ist da fĂ¼r alles offen. Du kannst aber auch ein eigenes Trainingsprogramm mit ihm absolvieren. Er muss nur ausgelastet sein, sonst wird er Verhaltensauffälligkeiten zeigen.
Australian Shepherds sind pflegeleicht. Wenn sein Fell täglich gebĂ¼rstet wird und Augen und Ohren regelmĂ¤ĂŸig kontrolliert werden, reicht das.
Merlefarbene Australian Shepherds haben leider einen Gendefekt, der zu Taubheit fĂ¼hren kann. Auch Dysplasien treten immer häufiger auf. Ein Grund mehr, nur bei einem seriösen ZĂ¼chter zu kaufen.
Ein Australian Shepherd ist kein Hund fĂ¼r Couch-Potato. Sie brauchen Menschen, die aktiv sind und sich viel Zeit fĂ¼r sie nehmen. Wenn du also bereit bist, viel Zeit mit deinem vierbeinigen Freund zu verbringen und ihn auch geistig forderst, dann ist ein Australian Shepherd ein guter Kamerad fĂ¼r dich. Er ist auch der richtige Partner, wenn du ihn zum Rettungshund ausbilden möchtest.
Schon ehe die Rasse offiziell anerkannt war, waren Australian Shepherds Hollywoodstars. Sie sind in den Disney-Filmen “Run Appaloosa Run” und “The greatest Cowdog in the West” zu sehen, die in den Jahren 1966 und 1974 gedreht wurden.